Microsoft Research – The Translating! Telephone

Unified Communication (UC) bedeutet, die gesamte Unternehmenskommunikation auf technischer und organisatorischer Ebene zu bündeln und zur verbesserten Effizienz der täglichen Zusammenarbeit der Mitarbeiter beizutragen. So weit, so gut. Wie jedoch sieht es mit der sprachlichen Ebene eben jenes Leitbildes aus? Wie weit sind wir heutzutage noch von wirklich einheitlicher und universeller Kommunikation entfernt, mittels der beispielsweise ein Kollege aus Osaka in Japan den brasilianischen Kontaktmann in Sao Paulo, Brasilien anrufen und beide ohne jegliche Fremdsprachenkenntnisse erfolgreich kommunizieren, also sich austauschen können?

Tatsächlich belegen bereits 2010 erste erfolgreiche Versuche, dass dieses Ziel mehr als bloßes Wunschdenken von Tüftlern in einer Hinterhof-Garage zu sein scheint. Das Microsoft Research Team hatte bereits im Rahmen der 2010 TechFest einen ersten Prototypen vorgestellt. Mittels Spracherkennung wurde eine englischsprachige Stimme aufgenommen, in Text umgewandelt, dieser übersetzt und in der Zielsprache, hier Deutsch, ausgegeben. Und dies praktisch ohne Verzögerung.

Auch der Datenriese Google hat im Zusammenhang mit neuen Versionen seines Google Translators glaubhafte Absichten in Richtung maschineller Synchronübersetzung geäußert. Ebenso zeigte die mediale Aufmerksamkeit von Apples Siri (die Abkürzung für Sprachinterpretation- und Erkennungsinterface) beste Ansätze, den Problemen der Spracherkennung und -ausgabe erfolgreich begegnen zu können.

Die Herausforderungen für ein echtes „Translating Telefone“ liegen in der Tat auf mehreren Ebenen. Zum einen muss die Spracherkennungssoftware ausreichend fortgeschritten sein. Nach wie vor ist der Unterschied zwischen der gesprochenen Sprache und einer formellen und deutlich einfacher automatisiert zu übersetzenden Schriftsprache eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass sowohl Semantik als auch Satzbau selbst eine Bedeutung innewohnen kann. Aus diesem Grund etwa strebt die Google Translator-Variante vielmehr eine Übersetzung ganzer Phrasen und Redewendungen an, anstatt nur einzelne Worte und Satzteile zu übertragen. Dies jedoch zeigt die Grenze mechanischen Verstehens von menschlicher Sprachkommunikation auf: Nur wirklich formal korrekt geformte Ausdrücke sind übersetzbar. Eigentlich für Menschen selbstverständliches Kontextverständnis sowie die Interpretation von Stimmungskomponenten der Sprache sind nach wie vor unüberwindbare Hürden. Und schließlich muss die Sprachausgabe den Erwartungen der anderen Kommunikationsseite genügen und darf nicht mehr unbeholfen und monton klingen. Wer kennt sie nicht, die holprigen automatisierten Bahnsteigansagen der Deutschen Bahn?

Diese Auflistung noch ausstehender Herausforderungen soll aber nicht verzweifeln lassen. Denn sie bedeuten nicht, dass diese Hürden auch in Zukunft unmöglich zu nehmen wären. Tatsächlich lassen der bisherige Entwicklungsfortschritt und die Zukunft wahrer „global einheitlicher Kommunikation“, also echter UC, viel Spannendes und Neues erwarten.

vor 2249 Tage von in UC-Grundlagen | Folge der Unterhaltung und abonniere den RSS-Feed.
Über den Autor

Hi, ich bin Link und Mitarbeiter bei nexweaver. Ich beantworte Ihnen hier Ihre Fragen rund um die Welt des Unified Communications & Collaboration. Meistens jedoch muss ich mich Bleeps Fragen & Wünschen stellen.

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